Skiatlas Les 2 Alpes
Wer die weite Reise in die wilde Bergwelt südöstlich von Grenoble unternimmt, findet einmalige Ski- und Snowboardmöglichkeiten auf den Pisten und im Gelände, hat aber auch die Wahl zwischen zwei völlig unterschiedlichen Urlaubsorten. Les Deux Alpes ist eine typische, sehr lebhafte französische Skistation, während das ruhige Bergdorf La Grave alpiner Szene-Treff der Freerider ist.
Beim Anblick all der glitzernden und funkelnden Fassaden von Les Deux Alpes, die eher an Las Vegas als an ein idyllisches Bergdorf erinnern, kann sich keiner vorstellen, dass der flache Passeinschnitt noch vor gut 60 Jahren eine weitgehend unberührte Alm war. Längst sind die einstigen Weideflächen mit Hotels, Appartementhäusern und Chalets zugebaut. Entlang der Straße reihen sich Imbissbuden, Souvenirläden, Spielhallen, Sportgeschäfte, Bars und Restaurants, die mit bunter Neonreklame um Aufmerksamkeit buhlen. Das hat alles nichts mit Bergidylle zu tun, aber es ist zweckmäßig. Schließlich kommen hier jeden Winter rund zwei Millionen Skifahrer, die versorgt werden müssen. Doch in Les Deux Alpes hat man erkannt, dass an der Optik gearbeitet werden muss - die seit 1946 gebaute Retortenstation soll mehr Bergcharakter bekommen. Leider ziehen nicht alle Appartementhäuser und Hotels bei dem Programm mit und so präsentiert sich der Ort unverändert als typische französische Skistation, bei der sich letztlich alles ums Skifahren und Snowboarden dreht. Dementsprechend kurz sind die Wege zum nächsten Lift, schließlich will man ja möglichst schnell ins Skigebiet, das über mehrere Etagen von 1300 bis auf stolze 3550 m reicht. Steht man endlich oben auf einem der größten für den Skisport genutzten Gletscher Europas, eröffnet sich eine gewaltige Rundschau auf die grandiosen, zum Greifen nahen Felszacken der Dauphiné und hinüber zum Mont Blanc. Allein für dieses phantastische Panorama lohnt sich der weite Weg in die französischen Alpen. Vollkommen unterschiedlich ist dagegen La Grave. Das kleine Bergdorf hat sich seinen Charakter erhalten können und der bunte Mix aus Freeridern sorgt für ein unverwechselbares Flair.
Pisten
Les Deux Alpes spricht keinesfalls nur den geübten Fahrer an. Selbst Einsteiger finden reichlich leichte Abfahrten und können letztlich das komplette Areal abfahren. Besonders genussreich sind die überschaubaren und weiten Hänge unter dem Pied Moutet (2100 m), dem westlichen Abschluss des Areals. Dessen Osthänge liegen schon morgens wunderschön in der Sonne und laden zu ersten Schwüngen ein, ehe man ins Hauptskigebiet wechselt. Hier rollt man die Sache am besten von oben her auf und liftelt erst einmal mit der Gondelbahn über Toura zum Sektor Glacier und mit Schleppliften auf den Dôme de Puy Salie. Dann carvt man über die schönen Gletscherhänge zur Sesselbahn Signal und wechselt schließlich eine Ebene tiefer nach Toura. Auch wenn die Sesselbahnen auf die Bergkuppe La Toura etwas betagt sind, der Abstecher lohnt sich. Denn der dort zu findende Snowpark - im Sommer wechselt er auf den Gletscher - zählt schon seit Jahren zu den besten der Alpen. Staunend fährt der Normalskifahrer weiter und genießt nach der dem Lärm im Bereich des Snowparks bei der Abfahrt nach La Fée die Ruhe. Zwischen La Fée, Tête du Diable und Les Crêtes warten einige schöne Abfahrten, ehe man sich zurück nach Les Deux Alpes arbeitet und dort die nachmittags in der Sonne liegenden Hänge zur Skistation abfährt. Die sind fast durchwegs steil mit zahlreichen zu regelrechten Buckelpisten ausgefahren Varianten, wobei die schwersten bei der Gondelbahn Diable warten. Natürlich sind nicht nur hier Abstecher in den Tiefschnee möglich, das gesamte Skigebiet ist dafür bekannt. Grandios sind die Steilabfahrten vom Gletscher nach La Fée, einmalig und am besten nur mit ortskundigem Bergführer zu machen die extremen Runs vom Gletscher oder von La Toura nach St. Christophe.
Loipen
Erst im Spätwinter ist der Wechsel vom Gletscher mit einem Pistenbully-Taxi ins Gebiet von La Grave möglich, dem nächsten Paradies für Freerider. Dort gibt es keine präparierten Pisten, nur hochalpines Gelände mit unzähligen, teils extremen Abfahrtsmöglichkeiten. Entsprechend unterschiedlich sind die Verhältnisse: Je nach Jahreszeit und Schneelage trifft man auf endlose Powderhänge oder üble Bruchharsch-Passagen, perfekten Firn oder tiefem Sumpf, unverspurten Schnee oder anstrengende Buckel. Unfassbar sind die Dimensionen: Die in La Grave startende Gondelbahn überwindet bereits 1800 Höhenmeter und mit zwei Schleppliften geht es weiter in die Gletscherregion auf 3550 m Höhe.
Quelle: www.adac-skiguide.de